346 Portraits

Otto Prutscher

Foto: Karl Ehn © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand
Otto Prutscher in einem Sessel von Josef Zotti, 1913
Foto: Karl Ehn © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Er war Architekt, Designer, Ausstellungsgestalter, Lehrer und Mitglied aller wichtigen Reformkunstbewegungen wie Secession, Werkbund und Wiener Werkstätte.

Otto Prutscher (1880–1949) war ein Multitalent und zählte zur ersten Generation der Schüler der Wiener Kunstgewerbeschule. Geprägt von Josef Hoffmann und Koloman Moser sowie von Adolf Loos, hinterließ er ein beeindruckendes schöpferisches Erbe, das über 50 Bauwerke, rund 50 Ausstellungen, ca. 170 Einrichtungen, über 300 Entwürfe von Einrichtungen sowie über 200 Einzelmöbel und Garnituren umfasst.

Otto Prutscher ließ keinen Zeitraum seines Lebens ungenützt: Das Handwerk war ihm durch seinen Vater, den Kunsttischler Johann Prutscher, schon in die Wiege gelegt. In den vorlesungsfreien Monaten absolvierte er zusätzlich eine Maurerlehre und die Praxis als Zimmermann. Der vielseitig Begabte nahm mit auf seine künstlerische Reise, was er konnte: einen Kurs für ornamentales Zeichnen bei Willibald Schulmeister, zwei Semester in Josef Hoffmanns Fachschule für Architektur, zwei Semester bei Franz Matsch in der Klasse für Zeichnen und Malen. Dies fand Ausdruck in der hohen künstlerischen Qualität seiner Entwürfe. Von 1903 bis 1907 war Prutscher Assis­tent an der graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ab 1908 Lehrer am Lehrmittel Bureau in Wien. Ab 1907 wurde er für die Wiener Werkstätte aktiv. Sein Lehrer Josef Hoffmann schlug ihn 1909 erfolgreich als Professor an der k. k. Kunstgewerbeschule vor: Dort leitete er bis zu seiner Zwangspensionierung aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau 1939 den offenen Entwurfszeichensaal für Gewerbetreibende. Prutschers Entwürfe wurden von mehr als 200 Unternehmen umgesetzt. Anlässlich seines 70. Todestages zeigt das Museum für angewandte Kunst Wien ausgewählte Beispiele aus der Sammlung Schedlmayer.

„Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne“

20.11.2019 – 17.05.2020

MAK, 1010 Wien, Stubenring 5
mak.at

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